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Allrad bereit für Sport und Freizeit

Auf Stadt- und Landstraßen lenken sie sich wie Limousinen, im Gelände halten sie durchschnittlichen Herausforderungen stand: Sport Utility Vehicles (SUV) verzeichnen Verkaufserfolge wie wenige andere Fahrzeuggattungen. Im Test: Der BMW X3 3,0 i und der Nissan X-Trail 2,2 dCi.
Eine Wiese am Stadtrand: Die warmen Winde haben den Boden aufgetaut - wadentief ist der lehmige Grund aufgeweicht. Beide, sowohl der X3 von BMW als auch der X-Trail von Nissan haben auf solchen Pisten schnell ihre Grenzen erreicht. Achstief im Schlamm, versagt der Vortrieb. Die Reifen, die den Komfort auf fester Piste garantieren, sind für derlei Expeditionen nicht grobstollig genug. Ein Range Rover muss her - der zieht die ungleichen Brüder aus dem Morast.
Nissan X-Trail versus BMW X3 - schon der erste Vergleich macht die Lust deutlich, die man mit diesen Salon-Offroadern haben kann, wenn man sie nicht allzu extremen Tests aussetzt: Der X3 will eigentlich mehr als ein SUV, nämlich ein SAV Sport Activity Vehicle, sein. Eine hervorragende Laufkultur auch auf weiten Strecken bietet er sowohl als X3 3.0 d (der Selbstzünder, ein Reihensechszylinder-Turbodiesel mit Common-Rail-Direkteinspritzung, leistet 150 kW/204 PS, hat 410 Nm Drehmoment und fährt 210 km/h Spitze) als auch mit dem 3,0-Liter-Reihensechszylinder-Benzinmotor (170kW/231 PS, bis zu 210 km/h schnell).
Die seidenweiche 5-Stufen-Automatik, vor allem aber das völlig neu entwickelte intelligente Allradsystem xDrive, das die stufenlose und vollvariable Verteilung der Antriebskräfte zwischen Vorder- und Hinterachse ermöglicht, sind selbst in extremen Situation jeder Straße gewachsen. Das System erkennt die Notwendigkeit, die Kraftverteilung zu ändern und reagiert - etwa bei Glatteis, auf dem Seitenstreifen aus Geröll oder der kurzwelligen Schotterpiste in Augenblicken. Keine Kurve, in der die optimale Antriebskraft an die jeweilige Achse nicht sofort bereitgestellt wird.
Hohe Sitzposition, viel Platz für fünf, ausreichend für das Gepäck (Kofferraumvolumen: bis zu 1841 Liter im Nissan X-Trail, bis zu 1560 Liter im BMW X3), Materialien, die man gern anfasst, Navigationssystem und individuelle Raumkonzepte haben sowohl der BMW X3 als auch Nissan X-Trail.
Unbefestigte Serpentinen und steile Hänge, gern mal ein mit Felsbrocken übersätes Flussbett, meistern ebenfalls beide. Dass beim X-Trail, der in den USA als Softroader des Jahres gilt, der zweite Gang sehr lang ausgelegt ist, spricht besonders für dessen Straßeneignung. Der Preis des Nissan allerdings spricht für sich: Auch in der neuen Version des Modelljahres 2004 ist der moderne Klassiker aus Fernost ab zirka 25 120 Euro (2,5 Liter-Benziner; ab 30 520 Euro der 2,2 dCi) zu haben - das dürfte vor allem eine jüngere und nicht ganz so markenbewusste Klientel für die Japaner begeistern. Beide von uns getesteten Motoren, sowohl der 2,5-Liter-Benziner mit 121 kW/163 PS als auch der brandneue 100 kW/136 PS starke 2,2-Liter-Common-Rail-Turbodiesel schnurren butterweich und durchzugsstark ab.
Selbst das gegenüber dem Vorgänger wuchtigere Drehmoment des Selbstzünders von nun 314 Nm im 2,2 dCi (der auf der Straße in 11,5 Sek. von 0 auf 100 km/h beschleunigt und bis zu 180 km/h schnell ist), reicht allerdings nicht für die durchweichte Wiese oder den Acker neben der A2, wenn die Autobahn wieder einmal verstopft ist. Dann werden die Fahrer also in beiden SUV/SAV den Komfort schätzen: Und die Dichtigkeit der Karossen - die immerhin gewährleisten, dass das Wasser nicht ins luxuriöse Wageninnere dringt, selbst wenn es außenbords schon deutlich Kniehöhe erreicht hat.
Übrigens: Marktbeobachter erwarten für das Jahr 2004 für den 4x4-Gesamtmarkt ein europäisches Verkaufsvolumen von rund 500 000 Fahrzeugen - davon will Nissan mit dem neuen X-Trail einen Anteil von rund zehn Prozent erobern. Rund 13 000 Fahrzeuge will Nissan vom X-Trail Deutschland verkaufen, wie Ralf-Toni Pulm, Markenvorstand Nissan, bei der Vorstellung in Spanien sagte.
Die Bayern sind nicht so bescheiden. Vom X5 wurden im vergangenen Jahr etwa 100 000 Autos weltweit verkauft. Vom X3 sollen es 70 000 sein. Ab 38 100 Euro (für den X3 2,5i) ab 40 300 Euro (für den 3,0 i und d) kann man einsteigen. Mitarbeit: kle/rms