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Vor Warschau eiskalt getestet: Courier 910

Von Norbert Gisder 26. Februar 2005, 00:00 Uhr

Kompaktes Familienboot für Binnen-Wasserwege bietet Platz für acht - Premiere noch bis morgen in Berlin

Von Norbert Gisder Seit kurzem hat Berlin zwei Bootsmessen: Die Bootsmesse Berlin unterm Funkturm im Herbst ist zweifellos neues maritimes Kleinod. Beachtlich aber auch die zweite, kleinere Messe "Bärlinboot". Von den Veranstaltern zum Winterausklang als Saisoneröffnung gefeiert, bietet sie in der Arena in Treptow hübsches und vor allem preiswertes Wassersport-Gerät. Vom Surfboard über Angel- und Tuckerboot-Derivate bis zu kleinen, trailerbaren Segel- und Motoryachten. Darunter sogar Premieren. Eine aus Polen haben wir vorab getestet - wer sie sich anschauen will, hat noch bis morgen in der Arena Gelegenheit.

Für eine Atlantik-Überquerung ist die knapp zehn Meter lange Sasanka Courier nicht gedacht. Der Motorcruiser setzt jedoch zum Sprung auf das größte europäische Binnenrevier an: Havel, Spree und Dahme, Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern will man erobern. Das Tourenboot, welches erst Ende September vom Stapel lief, könnte hier zulande - übrigens auch in Frankreich, England, Irland, ein ideales Revier finden. Egal, ob Schneestürme Eiskristalle an Skipperbärte oder Damenwimpern zaubern, das Schiffchen bietet gut beheizten Lebensraum.

Bitterkalt ist es, als wir an Bord des neuen Andrzej Skrzat-Designs steigen. Gute Gelegenheit, den mit tiefblauem Rumpf in traditioneller Klinkeroptik, offenem Steuerstand und festem Plichtdach ausgestatten Minikreuzer auf Winter-Tauglichkeit zu prüfen. Frost ist vorhergesagt. Auf dem Zalew Zegrzynska, dem künstlich angelegten See nördlich Warschaus, bringen wir den 29 PS-Volvo Penta auf Touren. Gutmütig und nicht zu laut brummelt der Diesel bei 2750 Umdrehungen. So bringt es der Sechstonnen-Verdränger auf sieben Knoten. Später sollen höhere Drehzahlen für noch ausgeglicheneres Fahrverhalten sorgen. Die Geschwindigkeit reicht für Binnen, so auch die Gewässer zwischen Elbe und Oder. Dort darf im Schnitt acht Kilometer pro Stunde gefahren werden. Die Rumpffahrt des Verdrängers berechnen wir bei 8,60 Metern Wasserlinien-Länge mit 7,1 Knoten. "Mehr PS sind unökologisch und sinnlos", sagt Werftmitarbeiter und Doktor der Biologie Wojtek Starck.

Apropos Ökologie: Den mit zwei Litern geringsten Dieselverbrauch im Verhältnis zur Geschwindigkeit ermitteln wir bei 2200 Umdrehungen (6,1 Knoten). Unter Vollast sind es gleich eineinhalb Liter mehr. Bald sind die Nasen rot und die Finger klamm. Schön also, daß es auf Wunsch möglich ist, einen beheizten Innensteuerstand nachzurüsten. Gegen Aufpreis, versteht sich. Dennoch gut zu wissen, gerade für Skipper, die nicht auf die oft besonders eindrucksvollen Winter-Törns verzichten wollen.

Im Salon des Testschiffes sorgt eine 3,5 KW-Standheizung (von Webasto, 2594 Euro Aufpreis) für angenehme Temperaturen. Ohne diese Wärmequelle sowie die mit Benzin betriebene Elektro-Kochplatte (Standard: zweiflammiger Gaskocher) sowie den Warmwasser-Boiler kann das Boot in Eigner- und Charterversion für je 72 500 Euro ab Werft Minsk Mazowiecki geordert werden.

Das neben den Instrumenten für Diesel, Geschwindigkeit und Motorumdrehungen sowie den Joysticks für Ankerwinsch und Bugstrahlruder gut erreichbare Mahagonisteuer ist übrigens leider etwas schwergängig. Hier kann jedoch niedrigviskoseres Hydrauliköl helfen.

Im einfachen, mahagoniverkleideten Salon finden acht Personen Platz - wenn man sich mag oder Kinder mit von der Partie sind. Sechs werden von der Werft empfohlen. Vier Erwachsene dürften mit dem handaufgelegten GfK-Bau jedoch wirklich gut bedient sein. Jedenfalls, wenn der Törn länger dauern soll. Oder wenn sich, wie im Winter, das Leben an Bord meist innen abspielt.

Je zwei Doppelkojen finden sich im Vor- und im Achterschiff (Eignerversion), für den Charterbetrieb sind zwei weitere Doppelbetten im Salon vorgesehen. Innovativ das gebogene Niedergangs-Fenster, welches Dachluk und Schott in einem durchgängigen Glasstück verbindet, sowie der mobile Edelholz-Klapptisch. Der Blick auf das standardmäßig mit Badeplattform und -leiter ausgerüstete Heck läßt uns heute allerdings frösteln.

Auch auf dem sauber mit Teak belegten Sonnendeck will sich niemand rekeln. Da hilft nur: Schotten dicht, Heizung an. Und vom nächsten Sommer träumen. So wie die Brüder Andrzej und Slawomir Marczak, die seit fünf Jahren die Sasanka-Werft südöstlich Warschaus leiten. Mit einem Dreizehnmeter-Trawler made in Poland wollen sie sobald als möglich den Atlantik überqueren. "Courier 1300" soll vom Backbordbug prangen. (Mitarbeit/Bootstest: mjm)

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