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Kampf der Strategen um die Stimmung

Der America's Cup: Seit mehr als eineinhalb Jahrhunderten tobt periodisch dieser Fight unter Segeln.
Der America's Cup: Seit mehr als eineinhalb Jahrhunderten tobt periodisch dieser Fight unter Segeln. Es ist die Schadenfreude der Marketingexperten, die hier die Lufthoheit über die Interpretation von richtig oder falsch, besserer oder schlechterer Taktik/Materialien/Manpower und Ressourcen für sich reklamiert. 2007 spitzt sich diese Tradition auch in Deutschland zu. Es dröhnt nicht nur eine gerichtliche Auseinandersetzung zwischen zwei deutschen Teams, die beide 2011 um die bodenlose Kanne ankämpfen. Da ist auch jeder für sich bemüht, die eigene als die Volkskampagne darzustellen. Über allem steht ein 3. Cupper, nicht von deutschem Geld bezahlt, doch von einem deutschen Talent zum Inhaber der Trophäe gesegelt, den nun die Welt herausfordern darf: Alinghi mit dem gebürtigen Berliner Jochen Schümann als Sportdirektor. Erst keiner, dann einer und nun drei, so also liest sich die Gleichung der deutschen Beteiligung am America's Cup 2007 bis 2011 - wobei man den vierten im Bunde mit BMW-Oracle als eigentlich auch aus Deutschland motiviert und sogar noch einen 5. ausmachen kann: Mit Shosholooza und T-Systems als Sponsor ist eigentlich der gesamte America's Cup längst ein German Cup geworden.
Das macht den Ärger verständlich: "Germany I" heißt das neu getaufte Schiff des United Internet Team Germany (UITG). Doch "GermanyOne" heißt auch eine bereits seit 2004 bestehende America's Cup Kampagne: "Wir wollen Deutschland für den Segel- und Yachtsport begeistern und das Potential und die Motivation Deutscher Segler nutzen." (www.germanyone.de) Bis 2011, so der Plan, sei man für die 33. Challenge perfekt gerüstet, 2015 solle die Welt in Deutschland zum Finale antreten.
Doch nun verletze der UITG-Cupper, die am 24. April getaufte "Germany I", das Namensrecht des bereits vergebenen deutschen Segelsyndikats GermanyOne, dieser Name allerdings sei die Basis des gesamten Marketing-Konzeptes der jungen Idealisten und ihrer Idee der Sportförderung. Den Vorwurf, den der Management-Direktor von The Friendship Racing Division GmbH als Patronatschefs der "Germany I" macht, werden wohl Richter untersuchen.
Im United Internet Team Germany herrscht ein - noch - gelassenes Amüsement. "Deutschland 1" habe man den Racer wegen der "geschichtlichen Belastung" nicht nennen wollen, so hat Syndikatschef Michael Scheeren bereits vor Wochen im WELT-Interview gesagt; auf "Germany" jedoch gebe es auf keinen Fall einen "Urheberschutz" heißt es nun von verschiedenen Seiten. However: Die UITG-Kampagne baut auch auf den englischen Namen.
UITG-Pressesprecher Marcus Schaps sagt, Man habe sich den AmCup ausgesucht, "weil Segeln mit Schnelligkeit, Teamgeist, Hightech und Sauberkeit Werte vermittelt, die wir als tragende Bestandteile unserer Finanzphilosophie ansehen." (Daß die Segelprofis aus Gründen der Gewichtsreduzierung keine Toilette an Bord der AmCup-Racer haben, schmälert die Marketing Hygiene in diesem Fall einmal nicht.)
Ein America's Cup ohne Marketing und PR, so Pressesprecher Schaps, sei aus Sicht des Hauptsponsors nicht möglich. "Es geht primär um das unternehmerische Kalkül, Image und Reichweiten der Marken und ein gutes Return on Investment." Ziel des Unternehmens (mit einer Summe für Gesamtvertriebskosten im Jahr 2005 von 176,455 Millionen Euro) sei es, "den Bekanntheitsgrad unserer Marken zu fördern. Gewünschter Begleiteffekt ist die Förderung des Segelsports. Gewünschter Begleiteffekt ist die Förderung des Segelsports." Auch der Präsident des Deutschen Segler-Verbandes, Rolf Bähr, will "eine regelrechte Volkskampagne" in die Yachtclubs tragen.
Ende Mai wird das Glanzstück der Knierim-Werft, an dem 25 000 Arbeitsstunden laminiert, gespachtelt und geschliffen wurde, ins Wasser gekrant. Gerichtsstreit hin, Namensrechte her. Zum Louis Vuitton Act 12 in Valencia bringt man die holde Deutsche über Land zum Team. Das Feintuning wird in Vergleichstests mit der GER72 beginnen. Die Marketer werden länger brauchen.

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