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In 20 Sekunden im Himmelreich

Von Norbert Gisder 23. März 2003, 00:00 Uhr

So schnell öffnete sich noch nie das Dach in einem Mercedes-CLK-Cabriolet. Eindrücke des neuen Viersitzers nach einem ersten Test

Bei diesem Cabriolet ist alles anders. Das mehrlagige Stoffverdeck und eine einmalig gute Aerodynamik dämmen Rollgeräusche von den großen Rädern auf 16-Zoll-Leichtmetallfelgen (vorn 205/55 R 16, hinten 225/50 R 16) perfekt weg. Die Motoren - von 163 bis 367 PS - sind im Innenraum nur dann wahrnehmbar, wenn der Pilot es will: Dann drückt der gewaltige Vortrieb die Passagiere mit Wucht in die Lederpolster. Schon das kleinste Power-Paket unter der eleganten, lang gezogenen Motorhaube, der CLK 200 Kompressor mit 120 kW/163 PS, schießt den 1,8 Tonner mit sechszylindergleicher Laufruhe in die Kulisse.

Beim gemächlichen Gleiten ist das Aggregat überhaupt nicht zu vernehmen. Die Sonne steht hoch über dem Strand vor dem königlichen Yachtclub von Palma de Mallorca. Also: Verdeck auf. Elektrisch, natürlich, per Fernbedienung. Das dauert kaum 20 Sekunden. Das mehrlagige Stoffverdeck, eine komplette Neuentwicklung, verschwindet dabei komplett unter einer markant geformten Abdeckung im Heck. Seitenscheiben voll versenkt, mit 40 km/h gleitet das Cabriolet über die Strandstraße zwischen Hafen und Kathedrale: So wunderbar lassen die gegenüber dem Vorgängermodell nur leicht modifizierten Abrisskanten des Chassis, den Fahrtwind um das nun nach oben offene Erlebnis herumfluten, dass sich die blauen Kringel des Rauches einer Zigarette sekundenlang in der Luft halten, ehe sie in die Strömung geraten und jäh zerrissen werden.

Mercedes-Benz verkauft mit dem neuesten seiner Cabriolets, dem CLK, handfeste Werte: Technik, die Weltstandards definiert. Sicherheit, die fast schon Anlass zum Leichtsinn gibt. Der automatische Überrollschutz ist sensorgesteuert und bei Gefahr innerhalb von Sekundenbruchteilen ausgefahren. Die noch einmal versteifte Karosseriestruktur schafft weitere Voraussetzungen für einen bisher noch nicht da gewesenen Komfort auf allen vier Sitzplätzen.

Schwingungen sind kaum wahrnehmbar, dafür gibt es deutlich mehr Raum für die Hinterbänkler. Eine um 71 mm verlängerte Karosserie mit 25 mm längerem Radstand macht es möglich. Die Klimaautomatik mit extra Belüftung für die Fondsitze, Tempomat mit Speedtronic, Sprachbedienung von Telefon, Autoradio und Navigation definieren Luxus in diesem Segment völlig neu: Hochtechnologie so verpackt, ist kinderleicht zu beherrschen.

Hinter der Verarbeitung steckt Perfektionismus. Die Kunst der schönen Form eines Designs, das, behutsam nur modifiziert, an den seit 1998 verkauften Vorgänger erinnert - und doch bei genauem Hinsehen eine neue, feine Formensprache aufnimmt: mit neu gestalteten Heckleuchten und einem die Strömung hinten meisterlich nutzenden, spoilergleichen Kofferraumdeckel, unter dem immer noch bis zu 390 Liter Volumen auf Ladung warten.

Vor allem aber verkauft Mercedes-Benz ein Lebensgefühl. Geschlossen fährt sich der offene Schönling wie das Coupé.

Die Motorenauswahl hat - mit fünf modernen Benzinern - für jeden Bedarf die nötigen Reserven: Mit einer Sprintkraft, die das Cabriolet in 6,2 Sekunden von 0 auf 100 km/h beschleunigt, erreicht etwa der neue CLK 500 mit 225 kW/306 PS aus acht Zylindern sportwagennahe Werte. Der CLK 500 ersetzt den bisherigen CLK 430, verbraucht aber - laut Werksangaben - fünf Prozent weniger Kraftstoff. Wem diese Spurtkraft nicht reicht, dem bleibt noch die AMG-Version: 270 kW/367 PS, ebenfalls acht Zylinder, nur 5,4 Sekunden vergehen bis 100 km/h.

Uns gefielen die beiden Sechszylinder besonders gut: Der kleinere hat 125 kw/170 PS und 2,6 Liter Volumen. Der größere ist bekannt, leistet 160 kW, 218 PS. 310 Newtonmeter Drehmoment wuchten die 1,8 Tonnen Hochtechnologie in acht Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h. Mit Hilfe der vorn (345 mm Durchmesser großen) wie hinten (300 mm) innen belüfteten Scheibenbremsen bringt man den Wagen ebenso abrupt zum Stillstand.

Das Fahrwerk weist Neuentwicklungen auf, die dem Cabrio die Performance eines Sportlers geben: Vor allem die Dreilenker Vorderachse und eine feinfühlige Zahnstangen-Lenkung sind zu nennen. So kann man selbst am feinen Granulat auf dem Straßenbelag in der seichten Kurve vor dem königlichen Yachtclub teilhaben. Die sportlichere Abstimmung von Federn und Dämpfern hingegen verlocken eher zum Kurvenfegen auf den Serpentinen des mallorquinischen Hinterlandes.

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