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Der Opel Speedster - auf Augenhöhe mit dem Dackel

Von Norbert Gisder 20. April 2003, 00:00 Uhr

Auf der Auto Mobil International (AMI) in Leipzig als Premiere gezeigt, von WELT am SONNTAG schon gefahren

Zum Einsteigen den Schuhlöffel vergessen? Dann wird's schwierig. Den Opel Speedster Turbo zu entern, birgt das Risiko eines Bandscheibenvorfalls. Das neueste Sportstudio auf Rädern aus Rüsselsheim ist mit 1,11 Meter so flach, dass man bei den meisten Kleinlastern auf Augenhöhe mit dem Auspuff und nur knapp über dem Pflaster gerade so über die Bordsteinkante blinzeln kann. Dabei sind die Seitenschweller so mächtig, dass der Einstiegsschlitz in die Schalensitze aus Leder - zumindest bei geschlossenem Dach - durch die flache Türluke regelrecht geübt werden muss, ehe in den Bewegungsablauf so etwas wie Eleganz kommt.

Sitzt man erst einmal, Auge in Auge mit dem Dackel am Wegesrand, hat man trotz schießschartenkleiner Fenster einen guten Rundumblick - fühlt sich irgendwie in die Kindheit zurückversetzt: Sahen so nicht die Karts aus, von denen jeder Junge träumt? Mit Gürtellinie bis zur Schuler und dieser intimen Enge des Schalensitzes?

Die Kindheit war einmal. Das hier ist ein richtiges Auto. Also Schlüssel umdrehen.

Eine Lichtorgel von Instrumenten leuchtet zwischen den Speichen des handtellerkleinen Sportlederlenkrades blaugelbrotgrün auf - doch der Motor springt nicht an. Der will durch Drücken des Aluminium-Knopfes im Zentrum des Armaturenbretts gestartet werden. Fauchen die 200 PS des 2,0-Liter-Ecotec-Motors mit Turboaufladung erst einmal los, beginnt ein fürwahr archaisches Vergnügen: Hand auf den eiskalten Alu-Schaltknauf, Gang rein. Es kracht blechern.

Jeder Bierdeckel ist zu spüren, über den das Auto fegt. Es kracht blechern, während der zweite Gang reingezogen, der dritte reingeknallt wird.

Die Kavallerie hat den roten Floh mit Mittelmotor auf Tempo 100 gejagt. Dabei sind seit dem Start weniger als 5 Sekunden vergangen. Es kracht auch weiterhin rundherum blechern - etwa während des Zwischenspurts von 80 auf 120 km/h in 5,1 Sekunden, oder während das Auto über knüppeltiefe Bodenwellen aus Blaubasalt fährt. Das hart gefederte Fahrwerk schafft trotz des nur Millimeter über dem Pflaster liegenden Schwerpunkts das Kunststück, so etwas wie Komfort zu vermitteln. Dabei spürt der Pilot - man darf getrost von einem Tiefflieger sprechen - kleinste Unebenheiten in der sehr direkten Lenkung.

Bei 240 km/h schwächelt der Motor ein bisschen, bei 243 ist dann Schluss. Bei diesem Tempo hämmert infernalisch-metallischer Lärm durch das mit Kunststoff verkleidete Aluminium-Chassis sowie durch das Stoffverdeck auf den Fahrer ein. Der Sportler, der im Normverbrauch 8,5 Liter Superplus bleifrei auskommt, schluckt nun natürlich deutlich mehr. Trotzdem schafft der Opel Speedster Turbo die Euro-4-Norm.

Zum Boxenstopp am Zielort sollte man unbedingt eine fürsorgliche Vertrauensperson bestellen, die Verständnis für Taube und eine Aspirin zur Hand hat. Die Rechnung für den Ohrenarzt geht zu Opel nach Rüsselsheim.

P.S.: Das Aussteigen aus dieser Skulptur von Auto ist noch schwieriger als der Einstieg: Zuerst den Operkörper? Oder die Haxen? Bei beiden Varianten werden Muskeln gefordert, von deren Existenz ein bürostuhlverwöhnter Mitteleuropäer gar nichts weiß. Manche Autofahrer lächeln - welch eine Frechheit - beim Anblick des kleinen Roadsters mitleidig. Nun, sie wissen nicht, was sie tun. Denn egal, womit auch immer sie sich mobil halten - es wird nicht den Charme eines straßentauglichen Go-Karts haben.

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