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Backstage: Porsche wird ein Kumpel

Spaß hat das Auto gemacht, seit es rollt. So findet der Porsche Boxster seit seinem Erscheinen auf der internationalen Automobil-Bühne vor sechs Jahren Bewunderer, die gern von 40 000 Euro an aufwärts zahlten, um den Inbegriff deutscher Ingenieurskunst im Hochleistungssegment spazieren zu fahren. Die kultivierte Sportlichkeit des gezähmten Wilden, die anerkannte Alltagstauglichkeit eines Porsche, dessen Piloten sich dank elektronischer Helferlein auch bei groben Fahrfehlern in allzu rasant angegangenen Autobahn-Abfahrten nicht mehr vom eigenen Heck überholen lassen müssen, wurde bislang nur durch einen einzigen, kleinen Makel getrübt: Eigentlich ist der deutsche Spitzensportler ein Finne - denn gebaut wird er bei Valmet Automotive in Skandinavien.
Nun endlich gibt es Hoffnung für die markenbewusste deutsche Sportwagen-Fan-Gemeinde. Der Porsche Boxster wird ein rundum Deutscher. Die dieser Tage verkündete vollständige Übernahme des finnischen Autoherstellers Valmet Automotive durch die Automotive-Tochter des größten Stahlkonzerns des ehemaligen Kohlen-Reviers Thyssen-Krupp macht es möglich.
Das bündelt Chancen: Soeben haben die Schwaben den überarbeiteten Boxster vorgestellt (einen ausführlichen Fahrtest konnten Sie am 15. Juni im Autoteil lesen), der im August das seit sechs Jahren unverändert gebaute Modell ablöst. Äußerlich nur dezent verändert, wurden vor allem die inneren Werte «qualitativ aufgewertet», wie Porsche-Chef Wendelin Wiedeking bei der Vorstellung des modellgepflegten Boxster sagte. (Sogar Cupholder gehören dazu - ein Zugeständnis, das man der amerikanischen Nachfrage machte.)
Der kleine Boxster leistet nun aus 2,7 Litern Hubraum 168 kW/228 PS, der Boxster S mit 3,2 Liter Hubraum kommt auf 191 kW/260 PS - beide Versionen bringen je 8 PS mehr als ihre Vorgänger. Mit Höchstgeschwindigkeiten von 253 und 264 Stundenkilometern und Sprints von 0 auf 100 in 6,4 Sekunden und 5,7 Sekunden können Bewunderer dem Geröhre allenfalls hinterherstaunen. Sie schauen dann in zwei neue Endrohre, die ein Chassis auf serienmäßigen 17-Zoll Leichtmetallrädern davonkatapultieren. 42 108 Euro kostet der Spaß den Fahrer des 2,7-Liter Boxster inklusive Mehrwertsteuer, der Boxster S-Pilot legt für seine Leidenschaft sogar 49 764 Euro hin.
Schwäbische Motorenkultur wird dem deutschen Sportamateur bald also eiskalt serviert aus dem hohen Norden von der dann integrierten Automotive-Sparte der heute noch finnischen Kleinserienbauer von Valmet, die für die übermächtige Auto-Sparte der deutschen Stahlkocher von Thyssen-Krupp fertigen: Mit dieser Integration in den «Ruhrpott» wird der Volks-Porsche sogar ein echter Kumpel.