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«La Supercinq»: Der Renault 5 wird 30

Genannt wurde er der «Kleine Freund». Oder «La Supercinq», «die Super-Fünf». In diesem Jahr feiert ein lebendes Denkmal der klassenlosen Autogesellschaft Geburtstag - und die Aufnahme in den automobilen Adelsstand der Oldtimer: Vor 30 Jahren hat Renault in Paris den R5 präsentiert. Wohl kaum ein weiteres Auto nach Ente, R4 und Citroën DS hat im Nachbarland seitdem solche Popularität erlangt. Vor allem: Kein zweites galt dermaßen als universell und klassenlos wie der R5. «La Supercinq», die «Super-Fünf», kosten die Millionärsgattin wie der Student ihren zweiten Liebling bevorzugt.
Sein Debüt feierte der R 5 im Frühjahr 1972. In den 22 Jahren danach rollten mehr als neun Millionen dieser munteren Kleinwagen mit dem stadttauglichen Wendekreis von unter 10 Metern weltweit zu den Käufern, bis das Autochen 1994 den Weg für den Clio freimachen musste.
22 Jahre R5, das sind 22 Jahre Freundschaft mit einem Auto, die niemand, der je auf eines dieser mitunter garstigen Exemplare geflucht hat, vergessen wird: Wenn etwa die Schweller schneller weggerostet sind als Butter in der Sonne schmilzt, weil beim Sonnennachbarn Frankreich Zitronen wie hierzulande Unkraut wachsen. Oder wenn, wie weiland beim Käfer, mit dem Betätigen des Scheibenwischers in regennasser Nacht die Hupe die Nachbarn aus dem Bett riss, die Wischerblätter jedoch stoisch untätig in ihrer Ruhestellung verharrten.
Den «kleinen Freund» hat der Ärger seiner Besitzer nicht gestört. Wollte er wieder, leistete er zuverlässig seinen Dienst. Vielleicht musste man ihm nur gut zureden. Und mag sein, dass es daran liegt, dass der Wagen nicht aus der Liebe seiner Schöpfer zu ihrem Kind, sondern buchstäblich aus der Not geboren wurde: Sein Erscheinen auf der Weltbühne der Mobilität fällt in die Zeit der ersten großen Ölkrise. Die Mächtigen der Autobranche rotierten - auf der Suche nach einer Lösung für die Zeit, in der der Sprit unbezahlbar zu werden drohte.
Mit dem R 5 reichten 3,51 Meter Auto, um bis zu 5 Passagiere mit 34 PS und einem Spritverbrauch von unter 6 Litern über 100 Kilometer zu fahren. Ein Held der Mobilität war gezeugt, ein Liebling der Damen, den auch Herren gern bestiegen, ein Wegweiser für Ingenieure und heute noch ein Markstein der Autogeschichte. Dazu herzlichen Glückwunsch, Renault.