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Von Norbert Gisder 8. Februar 2003, 00:00 Uhr

Hoffnungsschimmer aus der Nacht: 25 Jahre T-Modell der E-Klasse, zurückgehende Verkaufszahlen in der ganzen Branche – vor diesem Hintergrund will Mercedes-Benz mit dem modernsten Kombi seine Marktführerschaft ausbauen. Ein erster Fahrtest

Bei starkem Seitenwind machten die alten Limousinen und erst recht die Kombis der E-Klasse trotz ihres Gewichts schon mal ein Ausfallschrittchen aus der Spur heraus zur Seite. Außerdem spürte man den Motor vibrieren, legte man die Hand auf den Wählhebel der Schaltung. Dieses Urteil hat sich lange gehalten. Doch damit ist nun Schluss. Die Limousinen der neuen E-Klasse, seit vergangenem Frühjahr auf den Straßen, bleiben auch bei Sturm von der Seite auf der Autobahnbrücke wie auf Schienen in der Spur. Nun muss das T-Modell den Schütteltest schaffen. Zugegeben: Tempi testen ist in Frankreich schwer. Zu rigide die Strafen bei Geschwindigkeitsüberschreitungen, zu lückenlos die Überwachungen. Kurze Beschleunigungen auf bis zu 200 km/h zeigen dennoch: Vibrationsfrei schnurrt der Motor über die Autobahnen. Serienmäßig Luftfederung auf der Hinterachse und eine zeitgemäße Einbindung des Antriebsstranges im Fahrwerk machen den Unterschied auch bei starkem Seitenwind.

Nun gleitet die elegante Kombi-Limousine nahezu lautlos von der Autobahn über die Abfahrt hinab zum Europort Marseille. Der Straßenbelag ist durch Sprünge und Risse, durch Verwerfungen ganzer Belag-Platten zersetzt, dort, in den kleinen Straßen am Hafen und vor den Kais, an denen die großen und die Superfähren nach Korsika, Frachtschiffe und Überseetransporter be- und entladen werden. Am Steuer spürt der Fahrer von der Geografie ebenso wenig wie vom Fön-Gebläse des Mistrals – nämlich fast nichts. „Fällt“ eines der Räder in eines der eimertiefen Schlaglöcher, reagiert das Adaptive Dämpfungs-System (ADS II) auf den Fahrbahnzustand in Millisekunden, berücksichtigt dabei Fahrweise und Beladung und tut, wozu es gebaut wurde: Stöße dämpfen. Kein Ruck, den das Fahrwerk mit der neu entwickelten Vierlenker-Vorder- und Raumlenker-Hinterachse aus Aluminium, luftgefedert, nicht abfängt.

Wir sitzen im neuesten Mercedes-Benz E 320 T-Modell. Das flüsterleise Sechszylinder-Triebwerk mit 3199 ccm Hubraum läuft noch, da finden sich bereits Fans ein. Die prall gefüllten Radhäuser mit Reifen der Dimension 225/55 R16 auf sportlichen Leichtmetallfelgen mit den fünf Doppelspeichen werden begutachtet. Die feinen, fast coupéartigen Linien des neuen Luxus-Kombi. Mit der vierten Generation zeigt „ET“ erstmals ein tatsächlich

salonfein-funktionales Gesamtkonzept. Vor allem Audi-A6-Avant- und 5er-BMW-Kunden werden die nutzwertig-dynamische Ästhetik zu schätzen wissen, hofft man. Dabei ist auch auf den zweiten Blick nur vom Experten zu sehen, dass das T-Modell S211, wie die vierte Generation intern genannt wird, gewachsen ist: elf Millimeter in der Länge, 23 Millimeter in der Breite. Den Zuwachs an Fahrkomfort spürt man im Fond wie auch vorn – dem um 21 Millimeter vergrößerten Radstand ist das zu verdanken, außerdem aber einer ganzen Liste technischer Highlights. Das Luftfedersystem Airmatic gehört dazu, die Sitzbelüftung im Multikontursitz, die Klimaautomatik Thermatic und die Vier-Zonen-Thermotronic (eine individuelle Temperatur- und Luftmengenregelung für jeden Sitzplatz).

Von März an werden sechs Motoren – drei Diesel-Direkteinspritzer und drei Benziner – angeboten. Erstmals gibt es den neuen E 200 Kompressor mit 120 kW/163 PS. Der Vierzylinder-Benziner verbraucht in der Norm um die neun Liter Kraftstoff auf 100 Kilometer. Knapp elf Liter im Schnitt ist der Tribut, den der Pilot der Kraft und Laufruhe des stärkeren E 240 mit

Sechszylinder-Motor, 130 kW/177 PS und einem Drehmoment von 240 bei 4500 U/min zollt. Trotz höherer Nennleistung von 165 kW/224 PS und 315 Nm Drehmoment schon ab 3000 U/min sowie beeindruckender Sprintkraft von 8,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h liegt der von uns getestete E 320 unter diesem Wert: 10,6 Liter gibt das Werk an. Mit dem E 220 CDI, der aus 2148 ccm 110 kW/150 PS und 340 Nm aus vier Zylindern schöpft, wirbt der kleinste verfügbare Selbstzünder.

Bekannt ist der E 270 CDI, dem wiederum als Neuheit der E 320 CDI als Sechszylinder mit 150 kW 204 PS und 500 Nm Drehmoment ab brummleiser 1800 U/min als motortechnische Kraftalternative beigegeben wird. Kraftstoffverbrauch um die sieben Liter, 8,2 Sekunden für den Sprint von 0 bis 100, 234 km/h Spitze lauten die Werte. Rekordverdächtig!

Allen Motorisierungen sowie den drei Design- und Ausstattungslinien „Classic“, „Elegance“ und „Avantgarde“ gemein ist das Angebot eines umfassenden Beladungssystems, dessen Prinzip bisher nur im Saab 9-5 Kombi angeboten wurde: per Knopfdruck – hydraulisch angetrieben – fährt der Laderaumboden um bis zu 400 Millimeter aus dem Heckbereich nach hinten heraus, um das Be- und Entladen des mit 1950 Liter Volumen gewaltigen Kofferraums mit schweren oder sperrigen Packstücken zu erleichtern.

Alternativ kann man auch eine dritten Sitzreihe für Kinder ordern. Ab 38 976 Euro kann man in den E 220 CDI T einsteigen. Unser Testauto, der E 320 T, kostet ab 47 212 Euro in der Ausstattungslinie Classic. Die Fans am Europort von Marseille schauen dem Testwagen hinterher, als dieser im Verkehrsgewirr des Viertels davonflüstert.

Keine Frage: Diese Sänfte definiert Fahrkultur der Kombinationskraftwagen vollkommen neu.

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