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Silvester unter weißem Tuch

Professionelle Betriebsamkeit herrschte über Weihnachten bei einem trainierten Trupp ganz besonderer Berliner Botschafter, die heute aus dem kleinen Hafen von Pasito Blanco an der Südküste von Gran Canaria auslaufen, um unter Segeln den Nordatlantik zu runden: Mehr als ein halbes Jahr der Abenteuer und Entdeckungen unter weißem Tuch stehen den Wassersportlern bevor, die vom Akademischen Segler Verein, dem A.S.V. Berlin an der Scharfen Lanke, für einen der wohl attraktivsten Ausbildungstörns der Saison starten. Der führt die Segel-Asse auf der legendären «Walross III», einer Swan 55 in die karibische Inselwelt, weiter bis in den Norden der US-amerikanischen Ostküsten-Gewässer und zurück über den Nordatlantik. An die 100 A.S.V.-ler gelten - in wechselnden Crews - bei zwei internationalen Regatten als Pokalaspiranten.
16 Meter lang, 4,40 Meter breit und 20 Tonnen schwer ist die 31 Jahre alte Ausbildungs-Segelyacht der Berliner Studenten. Sie gilt dennoch als ebenso seetüchtig wie ihre Vorgänger. Auf deren Planken hat die Segelschulung seit Gründung des A.S.V. vor 116 Jahren durch eine Handvoll Studenten der Königlich Technischen Hochschule Charlottenburg eine solide Tradition. Bereits 1888 segelte der Studentenkutter Matador als erste deutsche Yacht nach Stockholm. In den 30er Jahren segelten die Berliner auf ihrem Schulschiff Prosit III rund um England und Schottland nach Nordnorwegen. 1972 erreichten Segler des A.S.V. - der einer der Gründungsvereine des Deutschen Segler-Verbandes ist - mit der Walross II als der ersten deutschen Yacht das nördliche Eismeer und Spitzbergen.
1974 begann eine besonders intensive Ausbildungsphase; in jenem Jahr wurde die Walross III in Dienst gestellt. Reisen über den Atlantik, Teilnahmen an großen Windjammer-Regatten bis nach Australien und zwei Umrundungen des Kap Hoorn - darunter 1981/82 als einziger deutscher Konkurrent beim Whitbread Round the World-Rennen - führten die jungen Berliner, die sich im A.S.V. durch die Hierarchie vom Smut über den technischen und seglerischen Bootsmann zum Wachführer, Steuermann und bis zum Schiffer hocharbeiten können, rund um die Erde. Dabei waren das Berliner Schiff und seine Mannschaften immer zugleich Segelnde und Botschafter des größten Binnen-Wassersportreviers in Europa: Wann wo ging, setzte man den 240 Quadratmeter großen Spinnaker mit dem Berliner Bären im Wappen. Die jeweils Regierenden Bürgermeister waren Schirmherren und gaben Grußbotschaften für Wassersportler und Amts-Kollegen in den besuchten Städten mit - darunter Sydney, Kapstadt, New York oder Boston.
Zwei Jahre nach der Teilnahme an der Windjammer-Regatta «Tall Ships 2000» (nach New York, Boston, Halifax und zurück) segelt die Walross III nun wieder auf atlantischen Kursen. Schiffer Uwe Schubert (35): «Silvester auf See - das wollte ich schon immer einmal feiern. Statt Feuerwerk gibt es Meeresleuchten.» Natürlich hoffen alle auf eine schnelle Reise: 17 bis 19 Tage für die etwa 3000 Seemeilen bis zum Ziel St. Lucia in der Karibik sind kalkuliert.
Rund um die Uhr wird Wache gegangen, jeder muss turnusmäßig ans Ruder. Freiwache und Smut sorgen für das leibliche Wohl. «Verhungert ist an Bord noch niemand, und gegen das Mensaessen ist die Walross-Kombüse wie ein Luxusrestaurant», sagt Grete Ernst (22) Studentin der Schiffstechnik, die schon drei Seereisen auf der Yacht mitmachen durfte, seit sie vor zwei Jahren ASV-Mitglied wurde.
In der Karibik geht es auf zwei bis drei Wochen langen Etappen mit wechselnden Mannschaften durch eine wunderschöne Inselwelt. Mit der Teilnahme an der «Heineken-Regatta» Anfang März auf St. Maarten wird die Arbeit zwischen Masttopp und Kielschwein härter: Bis dahin wird Maximilian Reichardt (24), der Vorsitzende des ASV, seinen Posten als Wachführer auf dem Schiff übernommen haben, das Training für die Teilnahme an der DaimlerChrysler North Atlantic Challenge (DCNAC) geht in die heiße Phase. Auf den Spuren des Berliner Forschers Alexander von Humboldt, der mit seinen Reisen durch Süd- und Mittelamerika vor 200 Jahren seinen Ruhm begründete, werden die Mannschaften des weit gereisten Süßwasser-Walrosses Muskeln und Teamgeist nicht zuletzt bei der Umrundung von Kuba stählen, bevor der weiße Schwan mit Heimathafen an der Scharfen Lanke in Spandau zur Parade an die Ostküsten-Gewässer der USA nach New York segelt. In Newport, nördlich von New York gelegen, startet am 14. Juni die rund 3500 Seemeilen lange Transatlantik-Regatta (DCNAC). Mehr als 100 Segelschiffe wollen daran teilnehmen, darunter ein internationales Feld ähnlich großer Yachten wie Walross III, aber auch brandneue Regatta-Renner, wie der 45 Meter lange Neubau von SAP-Gründer Hasso Plattner und der vor kurzem getaufte Maxi-Racer Uca von Klaus Murrmann (Kiel).
Die Route führt südlich von Neufundland an einem vorgegebenen Sicherheitspunkt «Alpha» vorbei, den alle Yachten an ihrer Backbordseite lassen müssen. Dadurch will die Regattaleitung verhindern, dass es den Teilnehmern wie einst der Titanic ergeht. Auch im Sommer trifft man in dieser Gegend häufig auf Eisberge und ihre noch schwerer auszumachenden kleinen, tonnenschweren «Growler».
Das Wetter auf dieser Route ist unberechenbar. Die Nordatlantischen Tiefs richten oft bis weit ins Europäische Festland hinein Unheil an. Wie die großen Windjammer, so segeln auch die DCNAC-Yachten nicht durch den Englischen Kanal, sondern nehmen Kurs nördlich von Schottland durch die Nordsee nach Cuxhaven. «Unter 20 Tagen wird wohl nichts werden», sagt Skipper Burkhart Zipfel (47), «aber wir werden dem Teufel mindestens ein Ohr absegeln». Er muss es wissen, denn er segelte schon als Student beim legendären Whitbread-Rennen um die Welt auf der Walross III. Vielleicht kann er des Teufels Ohr zur Not auch wieder annähen, denn er arbeitet als Chirurg im Deutschen Herzzentrum Berlin. Die DCNAC-Atlantik-Crew besteht übrigens aus zehn Seglerinnen und Seglern.
Im Ziel vor Cuxhaven schließt sich der Kreis für die Teilnehmer. Von dort aus geht es nach Hamburg, wo es vom 4. bis 12. Juli eine maritime Festwoche zum Abschluss gibt. 10 000 Seemeilen mehr werden Walross III und einige der Crewmitglieder dann auf dem Salzbuckel haben. rms/Gis-
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