Logo der Berliner Morgenpost
http://www.morgenpost.de/printarchiv/auto/article431987/Der_Kompakt_Van_von_Volkswagen_ist_da.html
Link in E-Mail oder Instant-Message einfügen close

Der Kompakt-Van von Volkswagen ist da

Ein Aha-Erlebnis ist der neue Kompakt-Van von VW sicher nicht. Touran ist der Name. Der Neue steht als erster Familien-Wolfsburger auf der Plattform des heiß erwarteten Golf V als Konkurrent zu Opel Zafira, Renault Mégane Scénic und anderen eingeführten Kompakt-Vans.
Allerdings bietet der Touran - verglichen sowohl mit Golf IV, als auch dem zum Jahresende avisierten Nachfolger Golf V - durch seine Höhe deutlich mehr Kopffreiheit vorn wie hinten. Wenn nötig, für bis zu sieben Personen in drei Sitzreihen. In der dritten Reihe wird es dann zwar eng, und der verbleibenden Kofferraum verdient den Namen nicht mehr, aber immerhin.
Für den Touran von VW werden Autokäufer mindestens 19 950 Euro bezahlen müssen. Dafür erhalten sie den Touran mit 1,6-Liter-Motor (74kW/100 PS). Von Mai an kann man dieses Einstiegsmodell bestellen. Bereits eineinhalb Monate eher, am 14. März, beginnt der Verkauf des Touran mit dem 1,6-Liter Motor mit FSI-Technologie, also mit der VW-eigenen Benzindirekteinspritzung «Fuel Stratified Injection». 85 kW/115 PS leistet das Aggregat. VW verlangt dafür 21 100 Euro. Das TDI-Modell mit 1,9 Liter Hubraum und 74kW/100 PS kostet ab 21 800 Euro, die 100kW/136 PS-starke TDI- Zweiliterversion ab 24 350 Euro (alle in Euro 4 eingestuft).
Mit diesen Preisen haben sich die Wolfsburger haarscharf an die Opel-Klientel herankalkuliert, deren Basis preislich nur wenige hundert Euro darunter startet. Bei den Freunden der Rüsselsheimer Familienlimousine liegt tatsächlich auch die wichtigste Zielgruppe, die man nicht länger allein der Konkurrenz überlassen will. Wie zukunftsträchtig das Engagement sein kann, wird deutlich, wenn man bedenkt, dass die Rüsselsheimer von ihrem Kompakt-Van Zafira seit 1999 bereits 820 000 Autos verkaufen konnten und mit Modellvarianten wie dem OPC-getunten Van sogar schon einen echten Sportler auf die Pisten der Welt gerollt haben.
Aber zurück zum Touran: Mit 4,4 Meter Länge, 1,8 Meter Breite und 1,6 Meter Höhe ist der Kompakt-Van ein Familienseller, der genau in das mittlerweile fast schon klassische ehemalige Nischensegment passt. Dass die Konzepte, die den zur Verfügung stehenden Innenraum beleben, immer variabler werden, versteht sich - vor allem bei einem Hersteller, der so spät wie VW auf diesen seit Jahren wachsenden und weiterhin Gewinn versprechenden Markt strebt. Und so lassen sich die bereits serienmäßigen fünf Einzelsitze auf Wunsch um zwei Sitze in einer dritten Reihe erweitern. Diese zusätzliche - und aufpreispflichtige - Sitzreihe ist überdies im Fahrzeugboden versenkbar, alle hinteren Sitze kann man tatsächlich mit wenigen Handgriffen und sehr leicht versetzen, zusammenklappen oder vollständig ausbauen. Dann ist der Kofferraum in der Tat stattlich: 1989 Liter Volumen werden ausgewiesen und eine maximale Zuladung von mehr als 650 Kilogramm. Aber auch als Fünfsitzer - ohne dritte Reihe - beträgt das maximale Ladevolumen immer noch 695 Liter.
Über die Preispolitik bei den Extras muss man sich, trotz aller Konkurrenz auf dem Van-Markt, allerdings keine Illusionen machen. Das Werk benennt als Serienausstattung des Touran unter anderem das Sechsganggetriebe, die völlig neu entwickelte Vierlenker-Hinterachse, Servolenkung, Scheibenbremsen, ABS, das Elektronische Stabilitätsprogramm ESP, Front- und Seitenairbags, Dreipunktgurte für alle Sitze, Zentralverriegelung sowie elektrische Fensterheber vorn. Fast wundert es einen, dass die Räder nicht erwähnt werden.
VW-Vorstandsvorsitzender Bernd Pischetsrieder räumte es bei der Weltpremiere freiweg als ein Versäumnis ein, dass das Unternehmen «sehr spät» in den boomenden Markt der variablen Familien- und Freizeitautos eingestiegen ist. Entscheidend allerdings sei, sagte Pischetsrieder, dass VW eine «Lücke von bemerkenswerter Größe schließt». Die Wolfsburger wollen noch in diesem Jahr 180 000 Touran absetzen, von nächstem Jahr an 200 000 per annum.
Der VW-Chef erinnerte daran, dass das Wolfsburger Werk «als Geburtsstätte von Käfer und Golf» jetzt gleichzeitig eine völlig neue Modellfamilie und eine bahnbrechende Arbeitsmethodik hervorbringe - wir berichteten. Dann schwebte der offiziell erste Touran in «diving-blue» - ein leuchtendes Meeresblau - von der Decke einer der drei für insgesamt 500 Millionen Euro umgebauten Montagehallen in Wolfsburg herab. Weiter 500 Millionen Euro hat VW in die Entwicklung des Touran gesteckt. Rund 45 Prozent der Produktion sollen auf dem deutschen Markt verkauft werden, der Rest überwiegend in anderen europäischen Ländern und Asien, nicht aber in den USA, sagte Konzernvertriebsvorstand Robert Büchelhofer. Aha.