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Die Yacht verdient

Von Norbert Gisder 28. August 2004, 00:00 Uhr

Offshore - der "weltbeste Vercharterer" und eine Vision von der Yacht als Investment

Die Bucht von Marmaris liegt spiegelglatt unterm Wind. Kein Wellchen kräuselt das Wasser südlich der flachen Höhen um die Hafenstadt. Hier könnte man auch einen märkischen Jollenkreuzer gefahrlos unter Vollzeug laufen lassen - es ist trotz heftiger Fallböen um fünf Beaufort wie Segeln im Binnenland. Und doch völlig anders. Denn die 49 Fuß lange Sun Odyssey von Offshore, die wir fahren, ist nicht nur eine der elegantesten neuen Yachten von Jeanneau, sondern zugleich ein Schiff, mit dem Eigner Geld verdienen.

Kauf-Charter heißt das Stichwort. In der Albatros-Marina von Marmaris bietet die Firma Offshore Sailing des Deutschen Detlef Schneider (50) und seiner Frau Jeannette ein Investitions-Modell an, bei dem Yachteigner ihre Schiffe zunächst einmal kaufen. Marktübliche Charteryachten mit guten Chancen auf erfolgreiche Vermarktung kosten zwischen 100 000 und 600 000 Euro. Aus der Charter erhält der Eigner dann über fünf bis acht Jahre 82 Prozent der Einnahmen. Liegeplatz, Wartung, Vertrieb, Charterwochen und Service werden ihm - abgesehen von der Eigennutzung von ca. vier Wochen pro Jahr - in Rechnung gestellt. Weitere Wochen darf er es gegen Beteiligung an Fixkosten nutzen.

Rechnet man den hohen Wiederverkaufswert einer gut gepflegten Yacht ein, so kann nach Ablauf der 5 bis 8 Jahre durchaus ein kleiner Gewinn auf der Hand liegen. Und der Eigner hat über die Jahre hinweg 32 Wochen - sozusagen kostenlos - eine Luxusyacht selbst genutzt (was ihn als Charterkunde über eine solche Periode gut und gern 120 000 Euro gekostet hätte).

Wir treffen Detlef Schneider in dem Restaurant vor der Albatros-Marina, das seine Frau Jeannette führt. 1983 startete der begeisterte Wassersportler als einer der ersten an der türkischen Mittelmeerküste sein Unternehmen. Heute beschäftigt Offshore-Sailing 19 Mann technisches Personal in einem Team von 40 fest Angestellten.

Motormechaniker, Kunststoff-Experten und Service-Kräfte werden bei Jeanneau in Frankreich geschult: "Das ist wichtig - der Service muss stimmen, der Aufwand klein gehalten, dabei darf am Nötigen nicht gespart werden." Offshore Sailing haben die Kunden nach Umfragen der Branchen-Bibel "Yacht" in diesem Jahr zum 2. Mal zur besten Charterfirma gewählt. "Was mich nicht überrascht." Schneider wirkt bescheiden, wenn er sagt: "Segeln ist meine Leidenschaft. Also wollte ich den Sport auch anderen nie vermiesen, sondern so schön wie möglich machen. Dazu gehört perfekter Service. Dass der mir gelingt, ist natürlich kein Zufall, schließlich bezahlt der Erfolg meinen Sport. Trifft sich doch gut, oder?"

So einfach können Geschäfte gemacht werden. Wir haben die Sun Odyssey 49 geentert und Schneider bedient die komfortable 15-Meter-Yacht mit einer Leichtigkeit, als parke er einen Kleinwagen aus. Heute könne Schneider, Segellehrer aus Hamburg, die Nachfrage kaum befriedigen, erzählt Peter Fritz. Der freie Agent für Kauf und Verkauf von Yachten für Moorings und Offshore kennt den Markt gut.

Doch als Betriebswirtschaftler mit abgeschlossenem Studium weiß Schneider, dass ein Unternehmen sowohl an Charterwochen als auch an Schiffen, die in der Marina ja erst einmal Platz finden müssen, nicht einfach ungebremst wachsen kann, ohne dass es insgesamt gefährdet wäre: "Auf jeden der 40 000 Einwohner allein in Marmaris kommen in der Saison bis zu zehn Touristen; und alle drängen ans Wasser. Das zeigt das Potenzial", schmunzelt Schneider. Der Wind bläst mit 4 bis 5 Beaufort in Vor- und Großsegel. Wir machen 7 Knoten Fahrt über Grund. Dabei wendet und halst die von uns gefahrene 3-Kabinen-Eignerversion auch wie ein Kleinwagen. Die Vorstellung gefällt uns: Vier Wochen pro Jahr segeln - ohne dafür zu bezahlen. Und an der Charter verdienen. Mag sein, dass das für die meisten Segler ein unerfüllbarer Traum bleibt. Aber schön ist er.

(In zwei Wochen: Wer mehr Platz braucht, kauft einen Katamaran zum Verchartern über Moorings)

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